
Es war im Februar diesen Jahres als eine Reihe von Studenten der Frankfurter Kunstgeschichte sich mit London verabredeten. Für den einen war es ein Blind-Date, für den anderen das Wiedersehen einer alten Geliebten. In jedem Fall ging es auf Tuchfühlung mit dem Corpus Londinium.
Hierbei galt es einer originellen Persönlichkeit zu begegnen, die nicht nur durch Formschönes, sondern durch bemerkenswertes Facettenreichtum gefällt.
Keineswegs kam die Kunstgeschichte unvorbereitet zu diesem Tête-à -Tête. Bevor die glanzvollen Accessoires und die geistreiche Ernsthaftigkeit dieses Kulturgeschöpfes erlebt werden durften, galt es sich in ein semesterfüllendes Thema einzuarbeiten, um subtilen Flirts mit Aufgewecktheit entgegentreten zu können. Gewählt wurde ein aktuelles, wie historisches Thema, mit politsch-juristischer Brisanz und moralischen Herausforderungen, die von einem Für und Wider, einer Unentschiedenheit begleitet waren.
Raubkunst und Kunstraub - kein anspruchsloses Thema für ein Rendezvous, aber es sollte sichergestellt sein, dass es bei geistigen Annäherungsversuchen aromatisch und stimmungshaft bleibt.
Das kulturelle Stelldichein zwischen Frankfurt und London ließ sich trotz arktischen Unwetters nicht beirren und startete planmäßig am Freitagmorgen den 12.02.2010 in der Wallace-Collection am Manchester Square.
Wallace-Collection
Das Museum im Hertford House beherbergt die Privatsammlung von Sir Richard Wallace (1818-1890), Kunstsammler und Mäzen.
Was sich beim Anblick der herrschaftlichen Außenfassade schon vermuten lässt, wird beim Eintritt in das Hertford House bestätigt. Es zeigt sich eine kostbare Innenausstattung aus und mit Marmor, Edelmetallen, Brokatstoffen, Stuck, Teppichen und Mobiliar, die keine barocken Fantasien unberührt lässt.

Die kleinen dunkel-schwülen Räume, schwerbeladen bis unter die Stuckdecken, die großen Rokoko-Galerien und imposanten Festsäle, sie alle zeugen von einer vergangen Epoche und laden zudem dank großzügiger Werk-Ausstattung zu Ausflügen in unterschiedlichste Bereiche der bildenden und angewandten Kunst ein.
Uns begegnen militärische Handwerksarbeiten, die vom Ideenreichtum martialischer Kriegsmoral zeugen; bestaunen originelle Wachsporträts europäischer Blaublüter; sehen Rubens Waldschloss, das er sich als reichster Künstler seiner Zeit erbauen ließ; erfahren das Rudolph II ein schwäche für Charles Boulles fürstliches Marketiere-Mobilia hatte und betrachten Tizian und Rembrandt, sowie Fragonards berühmte Schaukel.
Das Sir John Soane Museum
Ein Ort, wie von einer anderen Welt. Verortet als Wunderkammer voll Kuriositäten brachte das Privathaus von Sir John Soanes (1753-1837), britischer Architekt, die Studentenschaft zum staunen und wundern.
Das Museum beherbergt eine ganz außergewöhnliche Sammlung, in ebenso origineller Zusammenstellung. Wie bei Panini reihen sich die Objekte in alle Himmelsrichtungen an der Wand entlang. Wie wahllos hingestellt als gleichsam sorgfältig einsortiert, interagieren Statuen, Denkmäler, Fossilien, Schriftstücke und Tafelwerke miteinander, ergänzen und widersprechen sich.
Ein Labyrinth, voll kryptischer und klassischer Werke, das ungewohnte Durchblicke gewährt. Katakomben Stimmung und Erlebnispark. Gotische Kapelle und Ägyptisches Grabmal. Räume in Räumen und Bilder hinter Bildern. Ein abenteuerlicher Besuch.
Tate Modern

Ein Gigant an der Themse. Megalomanisch liegt die ehemalige Fabrikhalle am nahen Flussufer in direkter Gegenüberstellung der St. Pauls Catherdral. Ebenso kühn wie St. Pauls positioniert sich der Kraftbau aus Ziegel an die Promenade.

Auf das ergreifende Raumerlebnis von außen folgt die imposante Eingangshalle „Turbine Hall“, in der sich ihrerseits, die nicht weniger erlebnisreiche Rauminstallation des polnischen Künstlers Miroslav Balka dem Besucher in Form einer begehbaren Black Box offenlegt.
Wir begegneten weiterer Interaktion: Ergänzende und befragende Gegenüberstellungen zwischen Francis Bacon und Anish Kooper, zwischen Anselm Kiefer und der Ausstellungsarchitektur.
Abschließend folgten Klassiker des 20. Jahrhunderts: Beckmann, Kirchner, Giacometti, Pollock, Rothko, Beuys, Richter.
British Museum – kein Komparativ, sondern ein echter Superlativ

Das trotzig konservative der Außenfassade kehrt sich im Atrium des Museum in erhebende Leichtigkeit um.
The Kings Library – Klassifizierung und Vermessung der Welt

„Der klügste Raum der Welt“ (Prof. Schneider)
London versus Athen



Elgin Marbles vom Parthenon – ein lösbarer Konflikt?
Stehend und gehend - Monolithen aus Alabaster

Diese Gestalten waren Schutzgötter und flankierten assyrische Toreingänge.
National Gallery
Bronzinos Allegorie der Liebe, um 1550
Liebe, Lust, Tücke und Wahnsinn – es geht heiß her

Manchem Betrachter zu heiß – auf das Bild wurden bereits zwei Anschläge verübt.
Viktoria & Albert Museum
Ein weiteres Mal ermöglicht eine außergewöhnlich Sammlung das Wandeln durch Kulturzeiträume. Das V&A Museum bietet als Forum der Gestaltung und des Kunstgewerbes, sowohl Einblicke auf südostasiatische, als auch frühchristliche Handwerksarbeiten.

Ein Highlight stellen die Abgusshöfe dar. Hier versammelt sich ein buntes Konglomerat christlich-abendländischer Bildhauerei in Form von Gipsabgüssen. Glied an Glied geben sich Trajanssäule, Sebaldusgrab und Abgüsse von Michelangelo und Donatello die Ehre.

Studentisches Figurenkabinett
Saatchi & Saatchi Gallery - Eine Auswahl zeitgenössischer Kunst aus Indien




Exkursion: 12.02.-15.02.2010
Leiter: Prof. Dr. Ulrich Schneider
Fotos: Katja Krauße